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GEWA 5 to 1 GmbH & Co.KG

Köln / 12 12. 2016

Nach dem Insolvenzantrag der GEWA 5 to 1 GmbH & Co KG, die das dritthöchste Wohnhaus in Deutschlands errichten wollte, versuchen wir kurz die häufigsten Fragen (FAQ) der geschädigten Anleger zu beantworten.

Fragen

1) Gab es Hinweise auf Liquiditätsprobleme?q

2) Wann ist mit der Fertigstellung des GEWA Towers zu rechnen?

3) Droht ein Totalverlust für Gläubiger der GEWA 5 to 1 Anleihe 2014/2018 (ISIN: DE000A1YC7Y7 / WKN: A1YC7Y)?

4) Verlust für Anleger der GEWA 5 to 1 Anleihe 2014/2018 (ISIN: DE000A1YC7Y7 / WKN: A1YC7Y) auch im Falle der Fertigstellung des Gebäudes?

5) Welchen Wert haben die Grundsicherheiten?

6) Haften die Ratingagenturen für ihre positiven Bewertungen?

7) Besteht eine Haftung von Vermittlern und Anlageberatern der Anleihe?

8) Haftet der Mittelverwendungstreuhänder?

9) Haftet die Geschäftsführung für verspätete Information über die Krisenlage?

10) Was ist vom dem Gemeinsamer-(Zwangs)-Vertreter zu halten?

[Antworten auf die Fragen 6-10 finden Sie hier in Teil 2 des Beitrags]

zu 1) Gab es Hinweise auf Liquiditätsprobleme?

Bei Baukosten über 60 Mio. € konnten „nur“ 35 Mio. € über Anleihen finanziert, werden. Die restliche Finanzierung sollte durch den Abverkauf der Wohnungen erfolgen. Es wurden zwar rund 2/3 der Wohnungen im Hochhaus verkauft. Das letzte Drittel mit besonders hochpreisigen Wohnungen konnte nicht verkauft werden. Auf der Internetseite der GEWA wird bekannt gegeben, dass nur noch Wohnungen ab 995.000 € erworben werden können, die aber offensichtlich keine Käufer finden. Im  2016 wurde dann der Verkauf eines Teils des Bauprojekts, diesmal des Hotelbereichs, über einen „Forward-Deal“ verkündet. Auffällig ist das die Zinsen für die Anleihe werden Ende März fällig wären und genau dann auch der Kaufpreis für das bis dahin dann fertiggestellte Hotel genau passend eintreffen sollte. Schließlich deutet auch der Generalunternehmer an, dass Zahlungsprobleme des Auftraggebers zum Baustopp führten.

Eine derartige Finanzierung für ein extremes Gebäude ohne extreme Liquiditätspuffer ist zumindest „mutig“.

zu 2) Wann ist mit der Fertigstellung des GEWA Towers zu rechnen?

Die Fertigstellung ist davon abhängig, ob frisches Geld von einem Investor aufgetrieben werden kann. Die örtliche Presse geht davon aus, dass die Anleihegelder und das Geld aus dem Verkauf der Nachbargrundstücke an die Firma Weisenburger verbraucht sind. Zahlungen des Hotelkäufers aus dem so genannten Forward Deal sollen auch erst nach (!) der Fertigstellung des Hotels erfolgen. Geld aus einem Verkauf der unfertigen Millionärsetagen steht mangels Verkauf ohnehin nicht zur Verfügung. Kein Interessent wird Millionen in den Rohbau eines insolventen Bauträgers stecken. Das sind Weihnachtsmärchen von Immobilienmaklern. Auszahlungen der nächsten Raten der Käufer der „Normal“-Wohnungen im Tower sind von dem Baufortschritt abhängig, der wegen Baustopps erstmal ausfällt.

zu 3) Droht ein Totalverlust für Gläubiger der GEWA Anleihe (ISIN: DE000A1YC7Y7 / WKN: A1YC7Y)?

Bei Nichtfertigstellung des Hochhauses müssen Anleger sich auf den Totalverlust einstellen, was auch schon im Verkaufsprospekt der Anleihe als mögliches Risiko dargestellt wurde

zu 4) Verlust für Anleger der GEWA 5 to 1 Anleihe 2014/2018 (ISIN: DE000A1YC7Y7 / WKN: A1YC7Y) auch im Falle der Fertigstellung des Gebäudes?

Von einem Teilverlust der Anleihegelder ist auch dann auszugehen, wenn Gebäude fertiggestellt wird. Eine Zwischenfinanzierung wird es ohne Sicherheiten nicht geben. Ein Verzicht der Anleihegläubiger auf Sicherheiten und/oder zumindest auf einen Teil ihrer Forderungen wird jeder Investor fordern. Die Höhe des Verzichts wird von dem derzeitigen Stand der Bauarbeiten abhängen und den danach noch notwendigen Baumaßnahmen bis zur Fertigstellung. Nach der örtlichen Presse (Stuttgarter Nachrichten) wurde in den unteren Etagen gerade mal mit dem Innenausbau begonnen.

Ein erhebliche Verzicht / Verlust der Anleihekäufer auch bei Fertigstellung des Gebäudes ist daher mit Sicherheit zu erwarten. Wie lange die Bauverzögerung dauern wird, steht zudem in den Sternen. Die Dauer ist sicher davon abhängig, ob die Planung hinsichtlich er unverkäuflichen „Millionen“-Etagen zu ändern ist, der dann die Stadt ggf. zustimmen muss, was dann wieder dauert und dauert und dauert und…

zu 5) Welchen Wert haben die Grundsicherheiten?

Der Wert der Grundsicherheiten der Anleihegläubiger dürfte zum jetzigen Zeitpunkt (Baustopp) bei einem Bruchteil des aufgewandten Anleihekapitals liegen, wenn überhaupt. Wer wegen der Grundsicherheiten von einer sicheren Kapitalanlage ausging, dürfte sich daher zu Recht getäuscht fühlen und sollte sich nach Möglichkeiten der Schadenskompensation umsehen.

zu 6) Haften die Ratingagenturen für ihre positiven Bewertungen?

Schön wär´s! Nur leider waren nicht die Anleger die Auftraggeber des Ratings. Anleger können daher allenfalls mittelbare Ansprüche aus dem Ratingvertrag zwischen Ratingagentur und GEWA ableiten.

Anleger müssten zudem beweisen, dass die Bewertung der Ratingagentur, die auf der Grundlage der von de GEWA vorgelegten Daten erfolgte, nicht sorgfältig, gewissenhaft, objektiv und  nach anerkannten wirtschaftswissenschaftlichen Methoden zur Unternehmensbewertung erfolgt ist. Weiter müsste der Vertrag auch Anleger schützen, obwohl diese gar nicht selbst Vertragspartner der Ratingagentur sind. Die Beurteilung der Lage der Immobilie für die vorgesehene Bebauung seitens der Ratingagentur ist zumindest sehr zweifelhaft.

Ansprüche gegen die Ratingagentur sind daher möglich und wahrscheinlich.

zu 7) Besteht eine Haftung von Vermittlern und Anlageberatern der Anleihe?

Wie viele Menschen gibt bei in und um Stuttgart herum, die sich ein Hochhauswohnung für einen Millionenbetrag in eine Kleinstadt direkt neben einem Schnellimbiss kaufen, weil sie der Überzeugung sind, dass die Lage einer Immobilie für den Wert gleichgültig ist.

Trottelige Lottomillionäre werden gebeten vorzutreten zur Rettung der Vermittler der Kapitalanlage vor der Haftung, nachdem nicht einmal der gerüchteweise präsentierte Fußballprofi etwas von seinem angeblichen Kaufinteresse wusste. Vermittler, die eine Anleihe zur Finanzierung eben dieser Immobilien anbieten und sich keine Gedanken über die Lage der Immobilie gemacht haben, haben jetzt verdientermaßen schlaflose Nächte.

zu 8) Haftet der Mittelverwendungstreuhänder?

Der Treuhänder ist zur Freigabe der Anlagekapitals nur nach Maßgabe des Treuhandvertrag berechtigt. Wenn der Treuhänder diese vertraglichen Verpflichtungen nicht erfüllt hat, ist er den Anlegern schadensersatzpflichtig, was noch zu prüfen sein wird.

zu 9) Haftet die Geschäfsführung für verspätete Information über die Krisenlage?

Es ist nie gut Wertpapiere herauszugeben und dann die Erwerber seiner Papiere unangenehm zu überraschen. Ein Fonds für Mittelstandsanleihen konstatierte unlängst eine desaströse Informationspolitik des Unternehmens. Gleichzeitig kündigte der Fonds die Geltendmachung der Durchgriffhaftung auf das Privatvermögen der Geschäftsführer an, sofern damit gegen kapitalmarktrechtliche Mitteilungspflichten verstoßen wurde.

Man muß kein Fonds sein, um auch diese Ansprüche geltend zu machen! Sie stehen auch jedem privaten Anleger zu.

zu 10) Was ist vom dem Gemeinsamer-(Zwangs)-Vertreter zu halten?

Es rechtlich zulässig  schon bei Herausgabe einer Anleihe für den Fall einer Insolvenz den Gemeinsamen Vertreter der Anleihegläubiger im Verkaufsprospekt zu bestimmen.

Oder auf Deutsch: Der Pleitier kann den Vertreter der von ihm geschädigten Gläubiger bestimmen.

Wenn der „Gemeinsame“-Vertreter dann auch noch Mittelverwendungstreuhänder ist, dürfte der Vorwurf des Interessenskonflikt geltend gemacht und alle Abstimmungen des aufgezwungen Vertreters gerichtlich angegriffen werden. Die Fertigstellung des Gebäudes würde sich verzögern, der Wert der Anleihen, der Sicherheiten sinken. Die sofortige Absetzung des Zwangsvertreters und Ersatz durch einen wirklichen Gemeinsamen Vertreter der Anleihegläubiger ist daher zwingend notwendig.

Aber es gibt auch wieder Anwaltskanzleien, die behaupten angeblich kostenfrei für die Anleger tätig zu werden. Ziel dieser Angebote ist es als Gemeinsamer Vertreter gewählt zu werden, um sich dann als Gemeinsamer Vertreter seine Gebühren direkt und vorab aus der Insolvenzmasse zu Lasten aller Anleger auszahlen zu lassen. Das ist dann sehr viel lukrativer und auch bequemer, als hunderte von Einzelrechnungen zu schreiben. Die Beurteilung dieser „Werbung“ bleibt aber dem geschädigten Anleger vorbehalten.

Wenn Sie, als Anleger, nicht wollen, daß die Insolvenz hauptsächlich zu ihrem Lasten erfolgt, sollten Sie unser Angegot einer kostenfreien Ersteinschätzung Ihres Falles wahrnehmen.

Für eine kostenfreie Ersteinschätzung füllen Sie bitte erst den Mandantenfragebogen aus und senden uns diesen per Mail oder Post zu. Weitere Hinweise zu den Kosten finden Sie unter der Seite Kosten


Mandantenfragebogen GEWA 5 to 1 GmbH & Co.KG

Allgemeines Video zu Unternehmensanleihen

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Mandantenfragebogen_Kapitalanlage.pdf (191.84KB)
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